Nachfrage nach Jodtabletten steigt - Warum ihr sie weder hamstern noch einnehmen müsst

Stand: 16. März 2022
Autor: Tobias Zimmermann
Foto: Symbolbild dpa

Jod cdpa

Die Nachfrage nach Jodtabletten ist in letzter Zeit gestiegen, viele Menschen haben wegen dem Krieg in der Ukraine Angst vor einer Atomkatastrophe und radioaktiver Strahlung. Warum es überhaupt keinen Sinn macht Jodtabletten zu hamstern und wieso die Einnahme sogar problematisch ist, hat uns eine Apothekerin erzählt.

In vielen Städten und Kreisen bemerken Apotheker aktuell eine hohe Nachfrage nach Jodtabletten. Einige der Präparate seien im Großhandel teilweise schon gar nicht mehr erhältlich, berichtet der SPIEGEL.

Grund dafür ist die Angst vieler Menschen vor radioaktiver Strahlung, spätestens seitdem der russische Präsident Wladimir Putin seine Atomwaffen in Alarmbereitschaft versetzt hat und Atomkraftwerke in der Ukraine angegriffen wurden.

Zur Erklärung: Wenn es tatsächlich zu einem nuklearen Unfall kommt, soll die Einnahme von Jodtabletten (auch „Kaliumjodidtabletten“) verhindern, dass sich die Schilddrüse mit radioaktivem Jod anreichert (sogenannte Jodblockade). Eine solche Tablette schützt darüber hinaus aber nicht vor der Wirkung anderer radioaktiver Stoffe. Im Ernstfall fordern ausschließlich die zuständigen Behörden zur Einnahme auf, heißt es vom Bundesamt für Strahlenschutz

Freiverkäufliches Jod hilft nicht bei radioaktiver Strahlung.

Natalie Biechele hat eine Apotheke in Schwäbisch Gmünd und hat uns im Interview erzählt, dass das Jod, was man bei ihr ohne Weiteres in der Apotheke kaufen kann, gar nicht bei radioaktiver Strahlung hilft: „Die freiverkäuflichen Tabletten enthalten bloß 0,1 oder 0,2 mg Kaliumjodid. Wenn man wirklich vorbeugen wöllte, müsste man 500-1000 Tabletten schlucken. Im nuklearen Ernstfall bräuchte man ungefähr 130 mg Kaliumjodid.“

Wenn bei einem schweren Unfall in einem Kernkraftwerk tatsächlich radioaktives Jod in die Umwelt austritt, erhält die Bevölkerung im betroffenen Gebiet kostenlos Jodtabletten von den Behörden.

In Deutschland werden ausreichend Jodtabletten für die Bevölkerung vorgehalten, deswegen besteht kein Grund welche auf Vorrat zu kaufen, schreibt das Bundesumweltministerium.

Vorsorgliche Einnahme von Jod kann sogar schaden

Entscheidend bei einer Jodblockade ist der richtige Zeitpunkt der Einnahme. Weil das Jod in der Schilddrüse kontinuierlich ausgetauscht wird, kann bei einer zu frühen Einnahme das Jod schon wieder ausgeschieden worden sein, wenn der nukleare Unfall passiert. Das heißt, vorsorglich Tabletten zu schlucken bringt nichts, sagt Biechele.

Und selbst im Ernstfall wäre es nicht für jeden sinnvoll, solche Präparate einzunehmen. „Empfohlen wird die Einnahme von hochdosiertem Kaliumjodid nur für Menschen zwischen 13 und 45 Jahren“, so die Apothekerin. „Ab 45 sind die Nebenwirkungen bei einer Jodblockade zu hoch, weil es im Alter häufiger zu Stoffwechselstörungen der Schilddrüse kommt.“

Weitere Infos zur Einnahme von Jodtabletten bei nuklearer Strahlung findet ihr auf der Website jodblockade.de.