Nach Informationen der IHK Ostwürttemberg hellt sich die Stimmung in der Wirtschaft Ostwürttembergs zu Jahresbeginn 2026 im Vergleich zu den Vormonaten leicht auf. Zwar bewerten etwas weniger Unternehmen ihre aktuelle Lage positiv, doch die Erwartungen für die kommenden Monate sind wieder optimistischer. IHK-Hauptgeschäftsführer Thilo Rentschler spricht von „ersten Schritten raus aus der Talsohle“, warnt jedoch weiter vor hohen Energie- und Arbeitskosten, Bürokratie, internationalem Wettbewerbsdruck und Zollturbulenzen. Die Zinspause der EZB sorge zwar für Stabilität, könne aber notwendige Reformen nicht ersetzen.
Größtes Risiko bleibt für 62 Prozent der Betriebe die schwache Inlandsnachfrage. Deutlich an Bedeutung gewonnen haben die Arbeitskosten, gefolgt von Energiekosten und geopolitischen Spannungen. Gleichzeitig verschärft sich die Lage am Arbeitsmarkt: Jedes dritte Unternehmen plant Stellenabbau, nur 13 Prozent rechnen mit mehr Beschäftigten. Auch die Finanzierung bereitet Sorgen – 54 Prozent sprechen von einer problematischen Finanzlage, deutlich mehr als im Herbst. Positiv: Die Investitionsbereitschaft zieht leicht an, vor allem in Digitalisierung und Innovation.
Ein differenziertes Bild zeigt sich in den Branchen: In der Industrie gibt es Anzeichen einer Stabilisierung, auch wenn die Kapazitätsauslastung weiter sinkt. Der Handel kämpft dagegen – insbesondere der Einzelhandel, dessen Lageindikator mit minus 43,5 Punkten auf einen historischen Tiefstand fällt. Bau und Transport spüren weiter die schwache Konjunktur, während Dienstleister und das Gastgewerbe vergleichsweise zuversichtlich sind. Rentschler betont, der Strukturwandel könne nur mit entschlossenem und koordiniertem Handeln von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft gelingen.